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Update 10 Januar 2006

[Prolog]

„…und mit dem Licht und dem Wasser, das der kleine Prinz brachte, kam wieder Leben ins Land…“

Kai sah nachdenklich aus dem Fenster, als sein großer Bruder ihm die Geschichte erzählte. Er liebte seine Geschichten. Sie waren faszinierend und obwohl sie oft traurig waren, endeten sie meistens gut. Jeden Abend saß Arashi, der ältere Bruder des 5-Jährigen, bei ihm am Bett und erzählte ihm seine Geschichten. Doch Kai konnte nicht ahnen, dass es an diesem Abend das letzte mal gewesen sein sollte…

„Er ist eingeschlafen!“ lächelnd deckte Arashi seinen kleinen Bruder zu und gab ihm noch einen leichten Kuss auf die Stirn bevor er das Zimmer verließ und leise die Tür schloss. Er ging in die Küche um sich einen Kaffee zu machen, denn er musste voraussichtlich noch die ganze Nacht an seinem Bericht schreiben, den er am nächsten Morgen abzugeben hatte. Arashi war eigentlich Autor, doch oft schrieb er auch für Zeitungen oder Zeitschriften Berichte, Artikel und kleinere Geschichten. Diesmal sollte er einen Bericht über die Geiselnahme im Kaufhaus schreiben, welche erst vor kurzem war. Er war als Zuschauer bei dem Drama life dabei und hatte alles mitbekommen.
Nachdem er seinen Kaffee gekocht hatte, ging er ins Arbeitszimmer und setzte sich an den Computer. Auf einem kleinen Schrank in einer Ecke des Zimmers stand ein Bilderrahmen und davor lag eine weiße Lilie und eine blaue Rose. Auf dem Bild waren Arashis und Kais Eltern zu sehen, welche vor vier Jahren bei einem Autounfall ums Leben kamen. Kai selbst wusste von ihnen kaum noch etwas, denn er war ja erst ein Jahr alt gewesen. Doch Arashi, welcher inzwischen 24 war, hatte noch alle Erinnerungen an sie behalten. Er lehnte sich zurück und sah nachdenklich an die Decke. Der Blauhaarige stellte sich oft vor, wie es wohl wäre, wenn ihre Eltern noch am Leben waren. Wäre dann alles einfacher geworden? Doch diese Frage konnte und wollte er sich nicht beantworten, denn an der Vergangenheit war nichts mehr zu ändern. Jetzt musste er sich um seinen kleinen Bruder kümmern, das war wichtig. Noch immer in Gedanken fing er an seinen Bericht zu schreiben.

„…nach der vierstündigen Geiselnahme von den acht Personen, gaben die Geiselnehmer auf und stellten sich freiwillig der Polizei. Sie wurden zu 25 Jahren Haft verurteilt. Die freigelassenen Geiseln hatte nur leichte bis schwerere Verletzungen und wurden sofort in das Städtische Krankenhaus eingeliefert.“
Es war inzwischen früh Morgens, nach einem Blick auf die Uhr gerade halb sechs, als Arashi den bericht fertig hatte und den Computer ausschalten konnte. Müde stand er auf und ging ins Schlafzimmer. Endlich konnte er schlafen, wurde auch Zeit. Er ließ sich aufs Bett fallen und überflog noch mal den fünfseitigen Ausdruck seines Berichtes, welcher die Überschrift „Drama im Einkaufszentrum- Täter nach vierstündiger Geiselnahme gefasst!“ trug. Zufrieden legte er die Mappe beiseite und kroch unter die Decke, um schnell einzuschlafen.

Doch lange konnte er seinen ruhigen und tiefen Schlaf nicht genießen. Denn schon eine Stunde später wachte er mit einem Schlag auf, als ein kleiner, Fünfjähriger Junge auf seinem Rücken sprang. „Großer Bruder, wach auf, die Sonne ist schon aufgegangen! Ich hab Hunger!“ drang die kindliche Stimme des Silberhaarigen an Arashis Ohr. Er lächelte. Obwohl er wegen seiner Arbeit und wegen Kai kaum Schlaf bekam, entlockte Kai ihm immer wieder ein lächeln. „Ist ja gut, kleiner, ich bin schon wach!“ murrte er leise, setzte sich auf und streckte sich erstmal ausgiebig. Kai stand sofort auf und rannte in die Küche, um schon mal Brot, Butter und Nutella, was er am liebsten aß, auf den Tisch zu stellen. Anschließend stellte er noch Teller und Gläser hin und zu guter letzt noch Arashis Lieblingsgetränk- Orangensaft! Der Blauhaarige Liebte Orangensaft, das wusste Kai besser als jeder andere. Ersterer kam auch gleich darauf, angezogen und putzmunter, in die Küche. Er setzte sich zu Kai an den Tisch und lächelte. „Kai, das ist echt super, wie du das jeden Morgen machst! Aber egal wie oft ich es sage, du vergisst immer die Messer!“ der Angesprochene ließ seinen Blick kurz über den gedeckten Tisch schweifen bevor er sein übliches freches grinsen aufsetzte „Dann schmieren wir unser Brot eben mit den Fingern!“ Arashi lachte herzhaft über Kais Kommentar. „Jetzt mach schon, hol Messer, dann können wir anfangen!“ Kai lächelte und stand auf. Er holte zwei Messer aus der Schublade, setzte sich wieder hin und gab eins Arashi. Dann fingen beide an in Ruhe zu Frühstücken, denn sie hatten genügend Zeit. Der 24-Jährige musste seinen bericht erst um elf abgeben und in den Kindergarten ging Kai nicht. Arashi konnte sich das leider nicht leisten, da sie mit seinen Einnahmen gerade so über die Runden kamen.
Nach dem Frühstück ging Arashi erstmal ausgiebig Duschen während Kai es sich in der Badewanne gemütlich gemacht hatte und mit dem Badeschaum spielte. Nachdem beide sauber und frisch angezogen waren, gingen sie zusammen los in Richtung Redaktion, um Arashis Bericht abzugeben, und sich danach noch einen schönen Tag im Schwimmbad zu machen. Es war ein wundervoller, wenn auch sehr heißer Tag und die beiden Brüder gingen Hand in Hand nebeneinander her. Als sie an einer Ampel warteten bis es grün wurde, und schließlich über die Straße gingen, hörten sie ein lautes Hupen. Arashi drehte sich erschrocken um und riss die Augen auf. Ein Auto fuhr genau auf Kai, obwohl die Ampel rot zeigte. Arashi sah zu Kai, welcher wie Angewurzelt stehen geblieben war. Der Blauhaarige reagierte Schnell, packt Kai und schubst ihn zur Seite. Wieder ertönte lautes hupen, worauf ein lauter Knall folgte. Kai, welcher benommen am Straßenrand lag, sah langsam auf. Blut lief ihm aus einer Wunde am Kopf über das Gesicht. Doch das realisierte er nichtmehr, denn er starrte nur noch zu seinem Bruder, welcher Blutüberströmt auf der Straße lag. Das war das letzte, was Kai sah, bevor er das Bewusstsein verlor.

Kai sprach mit keinem mehr ein Wort. Tag für tag saß er am Grab seines Bruders und weinte stumm vor sich hin. Nachts lag er wach im Bett und starrte aus dem Fenster. Ohne Arashis Geschichten konnte und wollte er nicht schlafen.

Seit diesem Vorfall sind nun 9 Jahre vergangen…



[Kapitel 1]

Kai lebte bis zu seinem 14. Lebensjahr in einem Internat. Doch da er nie mit jemandem sprach und nie Gefühle zeigte, wurde er bald unbeliebt und schließlich ignorierten ihn alle. Manchmal versuchten einige Schüler noch, mit ihm zu reden, doch er blockte jedes Mal ab, bis ihn schließlich alle in Ruhe ließen. Dem Silberhaarigen war das nur recht. Er liebte das Alleine sein und die Ruhe und hasste es, wenn er von allen Seiten zugelabert wurde. Doch das so genannte ‚in Ruhe lassen’ änderte sich schnell und nach einem Jahr im Internat wurde Kai regelmäßig von seinen Mitschülern fertig gemacht, physisch wie psychisch. Sie warteten jeden tag vor seinem Zimmer und ließen ihn nicht durch, bevor er nicht seinen ‚Abreibung’, wie sie es nannten, bekommen hatte. Ein blaues Auge, Schrammen und blaue Flecken waren Alltag und Kai erschien immer seltener zum Unterricht, bis er schließlich ganz wegblieb. Eine Lehrerin wollte eines Tages, zwei Tage nach Kais 14. Geburtstag, nach ihm sehen, doch sie fand nur ein leeres Zimmer vor- Kai war verschwunden!

Seither lebte Kai alleine in einer kleinen Wohnung am Stadtrand Tokyos. Er schlug sich mit mehreren Nebenjobs durch und ging jedem aus dem Weg, der ihm auch nur zu Nahe kam. Auch das Jugendheim, welches Kai immer und wieder angerufen, angeschrieben und persönlich besucht hatte, hab es auf, sich um ihn zu kümmern. Ab und zu ließen sie ihm einen kleinen Zuschuss zukommen, damit Kai sich neue Klamotten kaufen konnte.
Kai lebte bis zu seinem 17. Geburtstag so. Doch an diesem Tag sollte sich alles ändern. Jedoch ahnte der Silberhaarige noch nicht. Er ging, wie jeden Morgen, früh los, um seinen Job als Bedienung im Eiscafê anzutreten. Er war pünktlich dort und begann auch sofort zu Arbeiten. Der Tag verlief wie jeder Tag, und doch hatte Kai ein komisches Gefühl, das irgendetwas passieren wird. Dieses Gefühl…es war für ihn so bekannt, und doch wusste er, das es anders war. Normalerweise wenn er so fühlte, passierte etwas Schreckliches. Doch diesmal war es anders.

Als die Sonne schon unterging machte sich Kai auf den Weg nach Hause. Er hatte nach seiner Arbeit den Rest des Tages im Park am See verbracht. Langsam schlenderte er, die Hände in den Manteltaschen, durch die Straßen. Doch plötzlich blieb er stehen…wieder dieses Gefühl! Kai schaute sich etwas unsicher um. Als er seinen Blick über die einzelnen Gassen und schließlich über das Ufer des Flusses schweifen ließ, entdeckte er eine Gestalt. Sie lag im Gras und schien zu schlafen. Langsam ging Kai in ihre Richtung. Wieso wusste er nicht, er tat es einfach.
Mit etwas Abstand von dieser Gestalt blieb Kai schließlich stehen. Er betrachtete den scheinbar schlafenden Jungen vor sich. Sein feuerrotes Haar sah wunderschön aus im fahlen Licht des Mondes. Seine Gesichtszüge waren vollkommen entspannt und er atmete ruhig. Kai lauschte seinem Atem und betrachtete ihn verträumt. Der Silberhaarige beugte sich leicht nach unten um den unbekannten in der Dunkelheit besser erkennen zu können. Doch er erschrak als er plötzlich in zwei wundervolle, eisblaue Augen sah- Der Junge war aufgewacht! Kai stolperte einen Schritt zurück ehe er eine, eher unsanfte, Bekanntschaft mit dem Boden machte. Als er, von seinem Sturz noch leicht benommen, langsam aufsah funkelten ihn die Augen seines Gegenübers an- Nicht wütend oder verwundert, sondern sanft und freundlich. Ein Lächeln huschte über Kais Gesicht, welches jedoch sofort wieder verschwand. Schweigen legte sich über die beiden Jungen, Kai schien dieses Schweigen unendlich lange, und doch wendete er seinen Blick nicht von dem Gesicht des Rothaarigen ab.

Doch Kais Träumereien wurden unterbrochen als der, scheinbar ältere, sich erhob und Kai die Hand hinhielt „Komm ich helfe dir auf, der Boden ist sicher nicht so gemütlich!“ sagte dieser mit einer freundlichen Stimme und sah Kai mit einem lächeln an. Dieser sah erst in das Gesicht des anderen, dann auf seine Hand. Er schien unschlüssig. Jahrelang hatte er von niemandem Hilfe angenommen, war jedem aus dem Weg gegangen. Doch in ihm machte sich ein komisches Gefühl breit, kein schlechtes, sondern ein ungewohnt angenehmes Gefühl. So hatte Kai noch nie Gefühlt. Langsam griff er nach der angebotenen Hand. Bei dieser Berührung beschleunigte sich sein Herzschlag und er fühlte eine Angenehme Wärme durch seinen Körper wandern. Eine wärme wie er sie noch nie gespürt hatte. Noch nie? Nein, das stimmte nicht ganz. Damals, bei seinem Bruder, spürte er dieselbe Wärme, Wärme und Geborgenheit bei nur einer Berührungen.
Lange sah Kai auf die Hand bis der Rothaarige ihn schließlich auf die Beine zog und leicht verwundert anschaute. //Er ist wirklich wunderschön…und er sieht richtig süß aus, wenn er so verträumt schaut!// Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Er schaute Kai tief in die rehbraunen Augen und strich sanft durch seine Silbernen Haare //Wundervolle Augen und ganz weiches Haar…// Doch Plötzlich stutzte er. Er sah, wie matt und leblos Kais Augen waren. Etwas schien ihn sehr zu bedrücken- Aber was?

Der junge Russe sah den Rothaarigen lange an. Seine Berührungen waren so zart und so sanft- Genau wie bei seinem Bruder. Seine Augen Blickten ihn so liebevoll an- Wie bei seinem Bruder. Seine Art schien so freundlich und fröhlich zu sein- Wie bei seinem Bruder! Soviel erinnerte ihn an seinen Bruder. Kai stiegen die Tränen in die Augen und liefen langsam über seine Wangen. Fassungslos fasste er sich an die Wange. Tränen? Er weinte? Das hatte er seinen Jahren nicht mehr getan. Endlich! Endlich konnte er wieder weinen. Er spürte endlich wieder die Trauer über seinen Bruder. Die unendliche Sehnsucht nach ihm und spürte endlich wieder, wie sehr er ihn vermisste. Endlich!
Sein Gegenüber sah ihn verwirrt an…denn: obwohl der Silberhaarige weinte, lächelte er! Er schien überglücklich zu sein. Aber über was? Darüber, das er weinte? Nein! Da steckte was anderes, viel wichtigeres dahinter. //Er ist wirklich…ungewöhnlich…und irgendwie Geheimnisvoll…// Der rothaarige wusste, das das nicht ihre letzte Begegnung gewesen war. Noch bevor er sich zum gehen wendete, sah er Kai an und sagte leise „Du bist wunderschön!“ Er lächelte ihn an, drehte sich um und ging. Kai sah ihm nach. Ein leichter Rotschimmer zierte seine Wangen.
Der Silberhaarige stand noch lange am Flussufer und schaute in die Dunkelheit, in die Richtung, in welche der rothaarige Junge verschwunden war. Doch schließlich wendete er sich zum gehen und setzte seinen Weg in seine kleine Wohnung fort.



[Kapitel 2]

„…die Täter, welche letzte Nacht die Bank überfallen hatten, wurden gefasst…“ /Uninteressant!/
„…und jetzt kommen wir zu den neusten News…“
/Langweilig!/
„…Das Paarungsverhalten der Schildkröten ist…“
/Oje!/
Der rothaarige schaltete den Fernseher aus. Heute lief aber auch wirklich nichts Richtiges. Nachrichten, Nachrichten, Dokumentationen, und Nachrichten.
Aber das war eigentlich nicht Talas größtes Problem, nein. Sein wirkliches Problem war…der Silberhaarige Junge! Seit ihrer Begegnung am Fluss, welche inzwischen eine Woche her war, konnte er diesen nicht vergessen. Nicht das er das wollte, natürlich nicht, aber er musste ständig an ihn denken. Seine wundervollen, Rehbraunen Augen, welche eine Mischung aus Trauer, Verzweiflung und Freude ausgestrahlt hatten gingen ihm nicht mehr aus dem Kopf. Immer und wieder stellte er sich eine Frage: Warum hatte er geweint- und dabei gelächelt? Bei dieser Erinnerung überschlugen sich die Gefühle des Rothaarigen. Einerseits fühlte er sich traurig, denn er konnte es nicht ertragen, jemanden weinen zu sehen. Andererseits jedoch war er froh. Wieso, das wusste er nicht. Vielleicht Aufgrund der Tatsache, solch einen süßen und wunderschönen Jungen getroffen zu haben. Aber irgendetwas anderes steckte noch dahinter. Was es war, konnte er sich einfach nicht erklären, egal wie lange er sich darüber den Kopf zerbrach. Aber eines wusste er ganz genau: Er musste diesen Jungen wieder sehen!

Seit seinem Treffen mit diesem Jungen gingen die Gedanken und Gefühle des jungen Russen drunter und drüber. Er wusste nicht, wo er sie einordnen sollte, er wusste nicht einmal, was für Gefühle er da plötzlich empfand- Freude, Trauer, Wut, Angst, Verzweiflung und…und was? Was war da noch?
Er war gerade auf dem Weg zur Arbeit. Doch mal wieder war er nicht bei der Sache. Es war zum Verzweifeln. Immer wieder schweiften seine Gedanken ab. Immer wieder schien er zu träumen und seine Umwelt um sich herum nicht richtig wahr zu nehmen. Mehrmals musste sein Chef ihn ermahnen, da er die Bestellungen der Kunden entweder nicht richtig ausgab oder erst gar nicht aufschrieb. Schließlich wurde er nach Hause geschickt, da der Chef meinte, er solle sich ausruhen um endlich wieder richtig arbeiten zu können.
Nun saß er im Park am See im Gras und versuchte, seine Gedanken zu ordnen…doch es nützte nichts. /Das kann doch einfach nicht sein! Warum denk ich immer an diesen Jungen? Immer und immer wieder sehe ich seine wunderschönen, eisblauen Augen vor mir und das feuerrote Haar, welches in dem Mondlicht glänzt. Ich hab ihn noch nie zuvor gesehen, und doch scheint es mir als würde ich ihn schon ewig kennen!/ Und wieder schweiften Kais Gedanken ab. Jedoch nicht zu dem Vorfall vor einer Woche, sondern zu der Zeit mit seinem Bruder. All die schönen, und auch schlechten, Erinnerungen an die kurze Zeit mit ihm trieben Kai die Tränen in die Augen. Die wundervollen Augenblicke an die er sich so gerne Erinnerte, die Geschichten seines Bruders die er so gerne hörte, die Spaziergänge durch den Park die er mit ihm so gerne machte. Doch auch die von Tränen geröteten Augen Arashis, wenn er an ihre Eltern dachte, kamen Kai in den Sinn. Und auch dieses schreckliche Bild- Sein toter Bruder, blutüberströmt auf der Straße liegend. Nun konnte der Silberhaarige die Tränen nicht mehr zurückhalten, sie liefen ihm unaufhaltsam über die Wangen

Es hatte inzwischen angefangen zu regnen. Doch seine Umgebung nahm Kai schon lange nicht mehr wahr, viel zu sehr war er in Gedanken. Auch merkte er nicht, wie eine, ihm bekannte, Gestalt auf ihn zukam, kurz stehen blieb und sich dann vor ihn kniete. Erst als eine warme Hand sanft über seine Wange strich, schaute er auf, direkt in zwei Eisblaue Augen. „Was tust du hier? Du bist ja vollkommen durchnässt und eiskalt!“ sagte Kais gegenüber sanft. Er wollte etwas sagen, doch nichts als ein leichtes, ersticktes Schluchzen entrann seiner Kehle. Der Rothaarige stand auf und reichte Kai die Hand „Komm, ich nehm’ dich mit zu mir! Hier kannst du doch nicht bleiben, da holst du dir ja den tot!“ Der junge Russe sah einige Zeit auf die angebotene Hand, bevor er sich dankbar annahm und sich auf die Beine ziehen ließ. Doch der Größere ließ nicht, wie Kai erwartet hatte, seine Hand los, sondern hielt sie fest und ging mit ihm in Richtung Stadtrand. Der Silberhaarige ging schweigend hinterher, immer noch liefen ihm die Tränen über das Gesicht.

Nach einiger Weile kamen sie an ein, etwas abgelegenes, Haus. Kai schaute sich um. Hier sah es wunderschön aus- Das zweistöckige, ganz in weiß gestrichene Haus lag inmitten eines großen Gartens. In diesem Garten wuchsen allerlei verschiedene Blumen, Büsche und Bäume und am Rand lag ein kleiner Teich, welcher teilweise von Schilf verwachsen war. Trotz des strömenden Regens und des grauen Himmels wirkte der Gesamteindruck fröhlich und voller Leben. Ein leichtes Lächeln huschte über das Gesicht des Jungen Russen.

Als Kai und der rothaarige Junge schließlich durch den genannten Garten gegangen waren und am Haus ankamen, ließ der ältere Kais Hand los und schloss die Tür auf. Er trat ein Stück zur Seite und ließ den Silberhaarigen eintreten, welcher sich auch sofort umschaute. Langsam ging er, nachdem er eine Einladende Geste des anderen bekommen hatte, durch den Flur und ließ den Blick über das anliegende Zimmer schweifen. Es war in einem hellen Blau gestrichen und der Boden war mit einem dunkelblauen Teppichboden ausgelegt. Die strahlend weißen Vorhänge an den Fenstern unterstrich die warme Atmosphäre des gemütlich eingerichteten Zimmers. „Dir scheint mein Haus zu gefallen!“ sagte der Rothaarige mit einem Lächeln auf dem Gesicht, welcher den interessierten und erstaunten Blick des Jüngeren die ganze Zeit beobachtet hatte. Ein zustimmendes Nicken Seitens Kais bestätigte seine Aussage. „Wenn du willst kannst du dich erstmal warm dusche und ich mache in der Zwischenzeit etwas zu Essen! Du siehst ziemlich hungrig aus!“ Noch bevor der Kai widersprechen konnte, drehte sich der Rothaarige um und verschwand, jedoch nur um kurze Zeit später mit frischen Klamotten wieder zu kommen. Diese drückte er Kai in die Hand, schob ihn in Richtung Bad und schloss die Tür.

Kurze Zeit später roch die ganze Wohnung wunderbar nach Essen. Kai war inzwischen fertig mit duschen und auch schon angezogen. Dem Geruch folgend landete er schließlich in der Küche und sah den fertig gedeckten Tisch „Und? Fühlst du dich jetzt besser? Setz dich ruhig hin und iss!“ sagte der Rothaarige und Kai folgte seinem Angebot. Langsam begann er zu Essen. Es schmeckte einfach wunderbar, noch besser als es roch. /Er kann toll kochen!/ dachte sich Kai und erst jetzt spürte er, was für einen großen Hunger er hatte. Dieses Gefühl jagte ihm eine Frage durch den Kopf /Wie spät ist es eigentlich?/ Kai sah auf. Er wusste ja nicht einmal, wie lange er im Park gesessen war, wie lange der Weg zu dem Haus war und wie lange er geduscht hatte. Aber als sein Blick in Richtung Fenster wanderte, war es klar, das das schon sehr lange gewesen sein muss, denn es war inzwischen Stockdunkel draußen. Kurz sah er den Älteren, welcher sich ihm Gegenüber gesetzt hatte, an und aß dann weiter.

Eine Weile später saßen beide schweigend im Wohnzimmer auf der großen Couch, welche in einer Ecke des Zimmers stand. „Sag mal, wie heißt du eigentlich?“ wurde das schweigen schließlich durch den Rothaarigen unterbrochen. Kai schaute auf. Stimmt, er hatte noch nicht gesagt, wie er hieß, und seinen Namen wusste er auch noch nicht. Trotzdem antwortete er auf die Frage nicht. Er hatte seit 12 Jahren mit niemandem gesprochen. Der Rothaarige sah ihn leicht verwundert an „Ich heiße Tala!“ meinte er schließlich, da er dachte, vielleicht würde ihm der Jüngere nun seinen Namen sagen. /Tala!/ wiederholte der Angesprochene in Gedanken, doch auch jetzt sprach er kein Wort. /Was er wohl hat? Aber wenn ich recht bedenke…er hat bei unserer ersten Begegnung nichts gesagt, und seit wir uns heute getroffen haben auch nicht!/ Eine Weile dachte Tala darüber nach, schließlich lächelte er und stand auf „Du solltest dich etwas schlafen legen! Es ist schon spät und du siehst müde aus!“ Das stimmte, Kai war müde, ihn wunderte es, dass er überhaupt noch die Augen offen halten konnte. Der rothaarige nahm Kai an der Hand und zog ihn sanft in Richtung Schlafzimmer. Dort deutete er auf das Bett „ Du kannst ruhig hier schlafen! Ich schlafe auf der Couch!“ mit diesen Worten verließ Tala das Zimmer und schloss die Tür hinter sich nachdem er noch ein leises „Gute Nacht!“ geflüstert hatte. Doch das hatte Kai kaum wahrgenommen. Er stand im Zimmer und ließ seinen Blick schweifen. Kurze Zeit später ging er zum Bett und setzte sich darauf. Nachdenklich sah er aus dem Fenster. Doch als ihn die Müdigkeit überkam, legte er sich langsam hin und deckte sich zu. Der tag war lang gewesen und Kai hatte schon lange Zeit nicht mehr richtig schlafen können. Da war es kein Wunder, das er schnell ins Land der träume glitt.

Tala saß noch lange im Wohnzimmer auf der Couch und sah nachdenklich in die Dunkelheit. Er wusste, dass dem Silberhaarigen wohl irgendetwas widerfahren sein musste. Nur was? Und wie lange war es her? Er seufzte und legte sich hin. Er konnte noch lange Zeit nicht einschlafen, da seine Gedanken immer wieder zu dem schlafenden Jungen im Schlafzimmer abschweiften, doch schließlich überkam auch ihn die Müdigkeit und er schlief ein.



[Kapitel 3]

Ein leises grummeln entrann der Kehle des rothaarigen, als er die warmen Sonnenstrahlen im Gesicht spürte. Leicht öffnete er die Augen und ließ seinen Blick zur Uhr wandern-9.30Uhr! /So spät schon?/ dachte er etwas überrascht, als er sich aufsetzte und ausgiebig streckte. Er ließ seinen Blick über das Zimmer schweifen, in einer Ecke blieb er hängen und schaute etwas genauer hin, da sein Blick noch etwas von der Müdigkeit getrübt war. Als er schließlich einigermaßen klar sehen konnte, wusste er, wer dort in der Ecke des Zimmers, zusammengekauert und scheinbar tief und fest schlafend, saß- Der Silberhaarige Junge!
/Was sucht er denn hier?/ langsam stand er auf und ging leise auf den kleineren zu. Lautlos kniete er sich vor ihn und betrachtete ihn etwas genauer. Vorsichtig strichen seine Finger durch die Haare seines Gegenübers und fuhren dann sanft die Gesichtskonturen nach. Als er von Seitens Kai ein leises seufzen vernahm lächelte er. Tala sah, wie er seine Augen öffnete und verschlafen und leicht verwirrt aufsah. „Na, kleiner? Hast du ausgeschlafen?“ Kai nickte leicht und rieb sich die Müdigkeit aus den Augen. Der Ältere erhob sich und hielt Kai die Hand hin, um ihm auf die Beine zu helfen. Dieser nahm dankbar an und ließ sich hochziehen. „Hast du Hunger? Soll ich etwas zu Essen machen?“ Die frage, warum der kleine überhaupt dort gesessen und geschlafen hatte, ließ er erst einmal außen vor. So wie er die Lage einschätzte, wusste Kai das selbst nicht so genau. Also drehte er sich um und verließ das Zimmer um in der Küche das Frühstück vorzubereiten.

Kai sah dem rothaarigen Nach. Er wusste immer noch nicht genau, was am vorigen tag geschehen war. Das einzige, woran er sich noch erinnerte, war, dass Tala ihn mit zu sich genommen hatte. Er dachte einige Zeit nach, als er schließlich ein rufen aus der Küche vernahm „Das Frühstück ist fertig, kommst du?“. Der Angesprochene schreckte aus seinen Gedanken, schüttelte kurz leicht den Kopf um seine Gedanken zu ordnen und ging dann in die Küche. Der Rothaarige saß schon am Tisch und wartet auf Kai, welcher sich schließlich zu ihm setzte. „Na, dann lass es dir mal schmecken!“ sagte Tala mit einem lächeln auf den Lippen. Kai nickte und begann langsam an zu essen. Sein gegenüber tat es ihm gleich, schaute jedoch immer wieder zu dem jüngeren. Er fragte sich immer noch, weshalb der Silberhaarige nicht im Bett geblieben war und dort geschlafen hatte. Hatte er geschlafwandelt? Oder hatte er einen Alptraum gehabt und deshalb rüber gekommen? Tala fragte sich, warum er ihn nicht einfach fragte, doch irgendetwas hielt ihn davon ab.
Nach dem Frühstück saßen beide wieder zusammen im Wohnzimmer, wie schon am Abend zuvor, und schweigen. Tala fragte Kai ab und zu etwas, welcher auf seine Fragen immer nur nickte oder den Kopf schüttelte. Jedoch verlor er nie einen Ton und starrte die meiste Zeit nur abwesend auf den Boden. Als er ein leises seufzen seitens Talas vernahm sah er auf.
„Willst du mir nicht wenigstens deinen Namen verraten?“ fragte dieser leise und lächelte. Kai legte ein wenig den Kopf schief und schien nachzudenken. Geduldig wartet Tala ab, ob Kai es ihm sagen wollte, sah jedoch leicht überrascht drein, als dieser es wirklich tat. „Kai!“ meinte dieser sehr knapp und Talas Gesicht erhellte sich. „Ein schöner Name!“ sagte er sanft und beobachtet, wie sich ein leichter Rotschimmer auf Kais Wangen niederlegte. Der rothaarige beugte sich leicht vor und stützte sich auf den Knien des kleineren ab. „Sag mal, was hältst du davon, wenn wir etwas spazieren gehen?“ Das rot auf seinen Wangen wurde stärker und Tala musste leise kichern, als er das bemerkte. Als er ein zustimmendes nicken des anderen bekam stand er auf. „Dann komm!“ Er nahm Kais Hand und zog ihn hoch und in den Flur. Dort zogen beide ihre Schuhe an und Tala reichte Kai seine Jacke, nahm seine eigene und zog des jüngeren nach draußen.

Scheinbar hatte er noch die ganze Nacht geregnet und erst vor kurzem aufgehört denn die Luft war noch etwas feucht und am Horizont konnte man noch die letzten Regenwolken entdecken. Durch einige Wolkenfetzen, welche am Himmel waren, konnte man de hellen Sonnenstrahlen sehen. Als Tala aus der Tür trat atmete er erst einmal tief durch. „Heute scheint es schönes Wetter zu geben!“ meinte er lächelnd und sah Kai an. Dieser nickte nur und ließ sich von dem anderen weiter in Richtung Park ziehen. Als sie dort ankamen, ließ der Rothaarige ihn los und sah ihn an. Mit langsamen Schritten ging er weiter.
“Sag mal, darf ich dich etwas fragen?“ Kai sah leicht auf und nickte zögerlich. „Was ist passiert?“ fragte er diesmal direkt heraus. „Ich meine…in deiner Vergangenheit! Du scheinst sehr darunter zu leiden, was geschehen ist!“ verwundert blickte Kai in die Augen des größeren. Diese frage hätte er nicht erwartet. Lange Zeit gingen die beiden schweigend nebeneinander her, denn Kai schien nachzudenken. Sollte er sich ihm anvertrauen und ihm alles erzählen? Wollte er das überhaupt? Ja, er wollte es, auf jeden Fall. Er vertraute dem Rothaarigen und wusste, dass er ihn verstehen würde. Jedoch wusste er nicht, ob es das richtige war. Er hatte Jahrelang mit niemandem gesprochen. Nach einiger Zeit wusste er aber, dass er nicht Ewig schweigen konnte.
„Mein Bruder…er kam bei einem Autounfall ums Leben!“ meinte er leise und sah gen Himmel. Tala sah ihn mit großen Augen an. „Dein Bruder?“ wiederholte er leise und Kai nickte. „Als ich fünf war…wenn er nicht gewesen wäre, wäre ich jetzt Tot! Er hat mich gerettet und hat dabei sein Leben verloren!“ Der Rothaarige sah, wie Kai die Tränen in die Augen stiegen. Er hatte noch nie darüber gesprochen und es war auch jetzt, nach so langer Zeit, sehr schwer für ihn. Tala legte sanft eine Hand unter sein Kinn und hob es an. Zärtlich strich er über seine Wange und lächelte aufmunternd. „Du musst nicht weiterreden, wenn du es nicht willst!“ Kai nickte etwas. Tala sah ein, das er dem kleinen einfach etwas Zeit lassen musste.
Langsam gingen sie weiter. Tala dachte darüber nach, was Kai gesagt hatte. Er hatte seinen Bruder verloren, er selbst konnte ich so etwas gar nicht vorstellen, er wusste weder ob er Geschwister hatte, noch wo seine Eltern waren. Diese hatten sich schon vor längerer Zeit getrennt und seine Mutter war ins Ausland gegangen, während sein Vater eines Abends nicht zurückkam. Seitdem lebte er alleine, kam jedoch auch gut klar, da ihm seine Eltern genug Geld hinterlassen hatte.
Wieder sah Tala zu dem kleineren, welcher Gedankenversunken in den Himmel sah. Inzwischen waren auch die letzten Regenwolken verschwunden und die Sonne schien warm auf sie herunter. Sie blieben noch lange zeit im Park und hingen ihren Gedanken nach, bevor sie, Frühnachmittags, wieder den Heimweg antraten.








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